Tagebuch: CFMOTO 675NK

CFMOTO 675 NK Tagebuch: Nr 2

ODO 136 km – CST-Reifen-Tag?

Die Wettervorhersage schwafelt irgendwas von „trocken“. Luxemburg dagegen hält konsequent dagegen und liefert den ganzen Tag einen Mix aus Nass, Nasser und „Hättest du mal die Regenhose eingepackt“.

Warum Luxemburg? Zwei Gründe:

  1. Der Sprit kostet dort so viel weniger, dass man fast ein schlechtes Gewissen bekommt.
  2. Mit meinen maximal erlaubten 4000 U/min ist die NK auf fast exakt 90 km/h gedeckelt – und das passt zufällig perfekt zu den luxemburgischen Landstraßen. Kurvenreich, abwechslungsreich und Geschwindigkeitslimit 90. Also: Luxemburg, wir kommen.
Unterwegs mit der CFMOTO 675 NK in Luxemburg – genauer gesagt im schönen Müllerthal, der „kleinen luxemburgischen Schweiz“. Viel Natur, herrliche Kurven und genug Fototapeten-Potential für drei Wohnzimmer.

Und da es kurvig wird, dachte ich mir: Heute fahre ich die CST-Reifen schön bis zur Kante ein.
Tja… Pustekuchen. Nach dem zweiten kleinen Rutscher war klar: Die CST mögen anscheinend lieber Sommerurlaube als Novembergrau. Selbst die angebliche Silika-Mischung wirkt bei dieser Kälte eher wie Deko. Warnhinweise? Null. Die Rutscher kamen so spontan wie ein Überraschungsbesuch der Schwiegermutter. Also Planänderung: Strecke machen so gut es geht und ie CF heil nach Hause bringen.

Leider zeigt die Serienbereifung von CST bei Nässe eher „motivierende Zurückhaltung“. Will heißen: Sie geben mir frühzeitig zu verstehen, dass heute besser kein Heldentum angesagt ist. Also rolle ich die vielen Kurven vorsichtiger an als geplant. Schade eigentlich – das Müllerthal hätte definitiv mehr Speed vertragen.

Trotzdem bleibt der Fahrspaß nicht auf der Strecke. Der Dreizylinder hat untenrum ordentlich Biss. Butterweich, kräftig und völlig stressfrei zieht er durch. Ich kann locker im sechsten Gang bei 65–70 km/h dahinrollen, ohne auch nur ansatzweise in die Nähe der 4000 1/min zu kommen.

Noch ist die CF halbwegs sauber – also „Vorher-Foto-tauglich“. Aber das wird sich auf den nächsten Kilometern drastisch ändern, da bin ich realistischer als mein Navi. Erstmal aber: günstigen Sprit bunkern. In Luxemburg fühlt sich Tanken fast wie ein kleiner Gewinn an – zumindest im Vergleich zu Deutschland. Da macht das „Befüllen“ fast mehr Spaß als das Fahren… na gut, fast.

Vor der Abfahrt habe ich erst mal ein bisschen mit dem Luftdruck gespielt. Laut Handbuch wollen die CST in der 675 NK vorne 2,3 und hinten 2,6 bar (kalt). Mein Display zeigt jedoch 2,6 und 2,8 bar. Also schön runterregeln. Ist auch gut so, denn selbst mit dem niedrigeren Luftdruck brauchen die Reifen ewig, bis sie Temperatur bekommen. Die Außentemperatur liegt bei 10–12 Grad, der Asphalt im Schatten hat fast frostige 5-6 Grad.

Komisch: Das sonst üppige 5-Zoll-TFT zeigt alles Mögliche an – nur keine Außentemperatur. Schade, denn das ist für mich persönlich ein wichtige Kenngröße in bezug auf: Nimm Gas raus und fahre vorsichtiger um die Ecken. Rutschgefahr!

Wie man auf dem Foto unschwer erkennt: Alles eingesaut. Wirklich alles. Der Hinterreifen hat da ganze Arbeit geleistet – ein wahres Dreck-Schleuder-Talent. Zum Glück hatte ich meinen Rucksack auf. Der hat tapfer den Großteil abgefangen und sieht jetzt aus, als hätte er eine Karriere im Motocross hinter sich.Regenfahrt mit Sozia? Würde ich lassen. Die wäre sonst garantiert das letzte Mal dabei – und ich vermutlich gleich mit abgeschmiert.

Die Hinterradbremse? Immer noch zurückhaltender als ein scheuer Dackel. Einfahren eben. Aber meine Bremsübungen vom ersten Tag zahlen sich aus. Besonders im Müllerthal – wunderschön, Kurven ohne Ende, Sandsteinfelsen und Wald – wo plötzlich, hinter einer schlecht einsehbaren Kurve, ein Auto quer über der gesamten Straße steht. Rechts Felswand, links Abhang mit Bach. Also: Vollbremsung aus etwa 85 km/h auf nasser Straße.

Die CF bleibt dank ABS sauber stehen, während der weiße SUV langsam zurücksetzt – die Fahrerin völlig ahnungslos, dass sie soeben beinahe einen Motorradfahrer zum Kunstprojekt auf ihrer Motorhaube gemacht hätte. Egal, Hauptsache nix passiert.

Das Hinterrad der 675 NK schleudert bei Nässe fröhlich Wasser und Dreck nach vorne – direkt in meine Richtung, als wolle es mir sagen: „Na, heute schon geduscht?“ Eine regendichte Kombi ist deshalb Pflicht, allein schon aus Selbstschutz. Überraschend ist es trotzdem, denn mit der serienmäßigen „langen“ Heckverkleidung hätte ich ehrlich gesagt weniger Gischtparty erwartet.

Die Straßen selbst: Nasse Blätter, Lehm von Traktoren, Bauschlamm von LKW – alles, was man für einen spaßigen Nachmittag nicht braucht. Die NK sieht am Ende aus wie nach einem Endurorennen bei Weltuntergang. Der Kühler ist vollgekleistert mit Spritzwasser und Blattresten, und der Hinterreifen verteilt brav eine Duschorgie. Nur der kleine Rucksack auf meinem Rücken rettet mich vor einer Komplettbewässerung. Die Soziabank hingegen hat ihren eigenen kleinen Stausee. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie das alles mit einer kurzen Kennzeichenhalterung ausgesehen hätte…

Zweimal wird in Luxemburg getankt, Verbrauch stabil bei 5,2 l/100 km. Ok aber die NK 675 wurde bisher nur im Schonwaschgang gefahren.


Luxemburg bietet nicht nur schöne Landschaften, sondern auch mehr Burgen als man spontan zählen kann. Und während ich mich also durch diese mittelalterliche Postkartenkulisse in Beaufort geschlängelt habe, zeigt der Vorderradreifen auf dem Foto ziemlich eindeutig, wie weit ich mich in die Schräglage getraut habe – nämlich gerade so weit, dass mein Schutzengel nicht laut seufzen musste.
Fahrerglück herausfordern? Heute lieber nicht. Man soll’s ja nicht übertreiben, wenn schon genug Kurven und Kopfsteinpflaster zuschauen.

Fazit Tag 2

Ich hatte gehofft, die 200 km Einfahrzeit der Reifen – wie im Handbuch angegeben – wären realistisch. Sind sie nicht. Die serienmäßigen CST Migra S3N brauchen bei Novemberwetter eher 500 km, bis ich ihnen wirklich vertrauen kann. Bei trockener Straße wohlgemerkt. Nasse Straße? Das ist ein eigenes Kapitel… und das folgt später. Ich denke über einen Reifen und damit Markenwechsel nach.

Immerhin haben die zahlreichen Bremsübungen mehrfach etwas gebracht:

  1. Ich bin sicherer und zuversichtlicher bei Notbremsungen geworden.
  2. Die Bremsanlage beißt jetzt kräftiger zu.
  3. Das ABS hat mir vermutlich einen unfreiwilligen Ausflug in die Felswand oder alternativ ins Bachtal erspart. Vertrauensschub!

Und der Motor? Der begeistert mich weiter. Ordentlich Schub von unten, leicht zu fahren, sportlich genug und zum Touren durch eine begeisternde Landschaft wunderbar geeignet. Ich bin gespannt auf die nächsten Kilometer mit der CF. Hoffentlich auch mal bei trockenen Straßenverhältnissen.

LINK zum 1. Tag des CFMOTO 675 NK Tagesbuchs

Die Rückfahrt aus Luxemburg nach Hause nach dem zweiten Tankstopp findet bereits im Dunkeln statt. Bei der mitgebrachten Dreck-Panade will ich die CFMOTO 675 NK aber nicht einfach so in der Garage parken. Also gibt’s noch eine kleine Dusche – immerhin ist der gröbste Schmutz wieder runter und das Motorrad sieht wieder halbwegs zivilisiert aus.

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