Moto LifestyleTagebuch: CFMOTO 675NK

CFMOTO-675NK: Alles – nur nichts für Vielfahrer?

Unser Redaktions Bike CFMOTO 675NK hat inzwischen ihre zweite Inspektion hinter sich und bewegt sich kilometertechnisch zielsicher in Richtung der 10.000er-Marke. Vor allem auf kurvigem Geläuf in Luxemburg und im deutschen Grenzland hat sie die Kilometer regelrecht abgerissen – und das weitgehend problemlos. Fast.

Die CFMOTO 675NK (vorne) und die sportlicher gezeichnete 675SR-R unterscheiden sich vor allem optisch. Unter der Hülle arbeiten bei beiden der gleiche Motor und derselbe Rahmen – Lenker und Verkleidung geben jeweils die Richtung vor.

Beim Warmlaufenlassen vor der jeweiligen Ausfahrt gab es bislang dreimal Probleme mit dem Motorleerlauf direkt nach dem Start. Aus bisher nicht erklärbaren Gründen starb der Motor kurz darauf einfach wieder ab. Zunächst hustete sich der Dreizylinder durch unregelmäßige Drehzahlen im Leerlauf, um dann beleidigt auszugehen. Beim erneuten Start: das gleiche Spiel. Erst nachdem der Motor warmgefahren war, trat das Problem nicht mehr auf.
Schuld der E10-Sprit? CFMOTO hat ihn für die 675NK freigegeben. Bei der zweiten Inspektion ließ sich beim Auslesen des Fehlerspeichers nichts Auffälliges finden. Also wurde das Problem vorerst unter der Rubrik „War halt so“ abgelegt. Seit die Außentemperaturen wieder bei lauschigen zehn Grad und mehr liegen, ist das Phänomen nicht mehr aufgetreten. Es kann aber auch an der gelegentlichen Beimischung von E5 liegen.

Inspektionsintervalle: Theorie trifft Praxis

Etwas Ernüchterung brachte die zweite Inspektion. Laut englischer Betriebsanleitung – eine deutsche Version ist Stand Mitte März 2026 immer noch nicht verfügbar – sind Wartungen alle 5.000 Kilometer vorgesehen. Meine logische Schlussfolgerung: Erste Inspektion bei 1.000 km erledigt, nächste also bei 6.000 km.
Pustekuchen. Tatsächlich zählt der Gesamtkilometerstand. Die zweite Inspektion ist bei 5.000 km fällig. Effektiv bleiben also nur 4.000 Kilometer zwischen den Terminen. Ich lag prompt rund 200 Kilometer drüber.

Auch die 675 SR-R (im Bild links) muss alle 5.000 Kilometer zur Inspektion – identische Technik, identischer Wartungsplan. Beim neuen Flaggschiff 1000 MT-X darf man gespannt sein: Gerade im Adventure-Segment wünscht man sich schließlich Intervalle, die nicht schon nach der nächsten großen Tour wieder in die Werkstatt führen.

Rechnen für Vielfahrer

Alle 5.000 Kilometer zur Inspektion – für Vielfahrer kann das teuer werden. Pro Termin werden je nach Händler etwa 270 bis 300 Euro fällig. Hochgerechnet auf die vierjährige Garantie oder maximal 40.000 Kilometer summiert sich das auf 2.200 bis 2.500 Euro.
Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Selber schrauben oder Garantie behalten? Die größten Kostentreiber sind der Ölwechsel alle 5.000 km, der Wechsel der Bremsflüssigkeit alle zwei Jahre und natürlich die Arbeitslöhne der Werkstatt. Erfreulich ist hingegen, dass die Ventilspielkontrolle – und eine eventuelle Justierung – nur alle 40.000 Kilometer vorgesehen ist. Das schont Nerven, Zeit und vor allem den Geldbeutel, denn diese Arbeit gehört üblicherweise zu den aufwendigeren Wartungspunkten.

Da während des mitunter recht langwierigen Update-Vorgangs die Zündung permanent eingeschaltet bleiben muss, wird die bordeigene Batterie vorsorglich über eine externe Stromquelle unterstützt. Ohne diese „Fernladung“ wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Software-Fortschritt schneller endet als der Ladezustand der Batterie – und das Update mitten im Prozess zur unfreiwilligen Zwangspause wird.

Weniger nachvollziehbar ist allerdings der Ablauf beim Update-Check für die jeweilige CFMOTO. Dieser wird über ein Laptop durchgeführt und muss jedes Mal komplett von vorne gestartet werden. Eine Art „Das ist neu, ersetze Alt gegen Neu“ scheint es nicht zu geben. Stattdessen läuft der gesamte Prozess jedes Mal erneut komplett durch – was entsprechend zeitaufwendig ist und in Zeiten von Over-the-Air-Updates fast schon ein wenig aus der Zeit gefallen wirkt.

Fahrspaß bleibt unbestritten

Dem Fahrspaß mit der 675NK wird überraschend ein jähes Ende gesetzt, wenn die Wetterabteilung spontan von Frühling wieder auf Winter zurückschaltet. Da hilft dann auch kein gutes Zureden – selbst mit den sonst so wetterfesten Michelin Pilot Road 4 ist gegen Schnee und Glätte irgendwann schlicht Feierabend. Foto vom 25.03.2026

Bei aller Rechnerei: Das Motorrad selbst begeistert weiterhin. Leistung und Fahrverhalten passen hervorragend zum Konzept. Ich brauche keine 150 PS – dafür bin ich ehrlich gesagt zu alt und die Landstraßen zu kurz.
Unter 6.000 Touren lässt sich die NK entspannt bewegen. Dreht man sie über 6.700 U/min hinaus, verwandelt sie sich in ein kleines Beschleunigungsmonster. Ja, es gibt stärkere Bikes – aber gerade im engen Kurvengeläuf lässt sich die 675NK präzise und spielerisch pilotieren.

Verbrauch, E10 und ein Hauch Skepsis

Mit steigenden Temperaturen sank der Verbrauch auf 4,3 bis 4,5 Liter pro 100 km. Im Winter lag er noch bei rund 5,3 Litern. Gemessen wurde klassisch beim Nachtanken.
Subjektiv wirkt der Motor mit E10 träger, spricht schlechter an und läuft etwas verbrauchsstärker. Offiziell ist der Kraftstoff freigegeben – dennoch bleibt der Verdacht, dass er zumindest einen Anteil an den 3x Startproblemen gehabt haben könnte.

Das waren noch halbwegs vertretbare Spritpreise – festgehalten auf einem Foto vom 7. Januar 2026. E10 damals bei 1,39 Euro/ Liter. Inzwischen hat sich die Lage allerdings auch in Luxemburg spürbar verändert: Von „günstig tanken“ kann man mittlerweile selbst dort kaum noch sprechen.

Reifen, Luftdruck und überraschende Erkenntnisse

Bei Nässe und Kälte lieferte der Reifen stets hervorragenden Grip und vermittelte viel Vertrauen auf der Straße. Je wärmer es jedoch wurde, desto schneller ließ er sein Profil buchstäblich auf dem Asphalt zurück. Kein Wunder – bei der vergleichsweise weichen Gummimischung ist das der Preis für die starke Performance bei schlechten Bedingungen. Foto: Vorderreifen Michelin Pilot Road 4.

Ein Punkt, den ich unterschätzt habe, ist der Einfluss des Reifendrucks auf den Verbrauch – insbesondere mit den Michelin Pilot Road 4. Die Zahl nach dem Komma macht offensichtloch den Unterschied. Im Winter habe ich unterwegs, ausgehend von den Herstellervorgaben, meist nur 2,4 bis 2,5 bar vorne und etwa 2,8 bar hinten erreicht. Die Reifentemperaturanzeige zeigte dabei Werte von 13 bis 18 Grad vorne und 18 bis 25 Grad hinten.

Michelin Pilot Road 4 – auch am Hinterrad überzeugte er mit bestem Grip bei Nässe und Kälte und sorgte dafür, dass die NK 675 selbst in ungemütlichen Bedingungen sicher auf Kurs blieb.


Der Reifen wärmt sich durch leichtes Beschleunigen und Bremsen relativ schnell auf – ein echter Vorteil bei niedrigen Temperaturen und Nässe. Im Sommer allerdings möchte ich ihn nicht mehr fahren. Schon bei den ersten wärmeren Tagen konnte man zusehen, wie sich die weiche Gummimischung schneller von der Lauffläche verabschiedete. Von November 2025 bis Ende März 2026 hat der Franzose rund 7.000 Kilometer gehalten – zu 95 Prozent auf kurvigen Landstraßen, der Rest auf der Autobahn. Für Regen und Kälte top, für Hitze eher ein Verschleißexperiment.

Kleine Schwächen im Detail

Zwei Punkte dürften bei kommenden Modellpflegen gern verbessert werden.
Erstens: Beim Verstellen von Brems- oder Kupplungshebel verstellt man automatisch auch die Spiegel. Am Ende bleibt nur ein Kompromiss zwischen guter Sicht nach hinten und ergonomischer Hebelposition.
Zweitens: Die Verstellung des Fußbremshebels ist unnötig kompliziert. Um ihn in der Höhe anzupassen, muss die komplette Halterung demontiert werden – der Auspuff blockiert den Werkzeugzugang. Zudem sind die Schrauben weich und mit hohem Drehmoment angezogen. Eine davon habe ich prompt ruiniert, bevor ich zu noch hochwertigerem Werkzeug griff.

Ausblick

Als Nächstes stehen wieder die originalen CST-Reifen an, die nur bis zur ersten Inspektion montiert waren. Außerdem rückt die „große“ 10.000-km-Inspektion näher. Dann wird sich zeigen, wie Zündkerzen, Brennräume und Verschleißbild aussehen.
Darüber – und ob die NK weiterhin tapfer Kilometer frisst – beim nächsten Mal mehr.

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